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Das Johannisfest verbindet – Kultur, Sprache und europäische Werte erleben

  • vor 11 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit



Was geschieht, wenn junge Menschen aus unterschiedlichen Regionen zusammenkommen, ihre Geschichten teilen und entdecken, dass sie viel mehr verbindet als trennt? Genau daraus entstand das Jugendprojekt „Das Johannisfest verbindet – Kultur, Sprache und europäische Werte erleben“, das im Rahmen der Europäischen Jugendwoche von Eurodesk Estland gefördert wurde.


Das Projekt brachte zwei Schülerinnen aus Kolkja – einem traditionsreichen Dorf der Altgläubigen (Old Believers) in der estnischen Grenzregion am Peipussee – mit Vertreterinnen der DBJW Estonia zusammen: den Brand Ambassadors Mari und Liisa sowie Karin Kõiv aus dem DBJW-Team. Obwohl das Projekt bewusst klein gehalten war, spiegelte es einen Grundgedanken der DBJW wider: Jeder junge Mensch ist wichtig. Jede Region zählt. Und wertvolle Begegnungen können überall entstehen.


Von einem Inspirationstag zur eigenen Projektidee

Die Idee entstand nach dem deutschsprachigen Inspirations- und Unternehmertag im März 2026 auf Schloss Alatskivi. Dort begegneten sich Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, kamen ins Gespräch und stellten fest, dass sie den Austausch gerne über diesen einen Tag hinaus fortsetzen würden.


Anstatt darauf zu warten, dass Erwachsene etwas organisieren, entwickelten die Jugendlichen ihre eigene Projektidee. Mit Unterstützung von Eurodesk Estland entstand ein Programm rund um Kultur, Traditionen, Sprache und europäische Werte – getragen von persönlichen Begegnungen und gemeinsamen Erlebnissen.


Warum Grenzregionen wichtig sind

Für die Teilnehmenden der DBJW war es besonders bereichernd, junge Menschen aus der Peipus-Region kennenzulernen und mehr über ihre Heimat und ihre Kultur zu erfahren. Grenzregionen und kleinere Gemeinden sind ein wichtiger Bestandteil Europas. Sie bewahren Traditionen, Geschichten und Lebensweisen, die oft über Generationen weitergegeben werden und einen wertvollen Beitrag zur kulturellen Vielfalt Europas leisten.

Kolkja ist vor allem für das kulturelle Erbe der Altgläubigen bekannt. Während des Projekts erzählten Alisa und Milana von den Bräuchen ihrer Familien, vom Leben in ihrer Gemeinde und von Traditionen, die bis heute gepflegt werden.


Für Mari und Liisa gehörte genau dieser Austausch zu den schönsten Momenten des Projekts. Die Kultur der Altgläubigen nicht aus einem Buch, sondern direkt durch Gleichaltrige kennenzulernen, machte die Begegnung besonders authentisch. Die Gespräche zeigten eindrucksvoll, dass kulturelle Vielfalt nicht irgendwo weit entfernt beginnt – sie findet sich direkt vor unserer Haustür und wird dann lebendig, wenn junge Menschen bereit sind, einander zuzuhören.


Europa durch Traditionen entdecken

Das Projekt fand in Viljandi statt – einer der bekanntesten Kulturstädte Estlands und Heimat des international bekannten Folk Music Festivals. Auch Viljandi selbst war für viele Teilnehmende Neuland. Gemeinsam erkundeten sie die Stadt, entdeckten ihre Geschichte und nutzten die gemeinsame Zeit für zahlreiche Gespräche.


Im Mittelpunkt standen die Johannis- und Sommertraditionen verschiedener europäischer Länder. Die Jugendlichen tauschten sich über Bräuche, Musik, Familienfeste, Gemeinschaft und regionale Besonderheiten aus. Dabei wurde schnell deutlich: Die Traditionen mögen unterschiedlich sein, doch die Werte dahinter ähneln sich oft erstaunlich.


Überall in Europa stehen die Feierlichkeiten rund um das Johannisfest für Gemeinschaft, Familie, Natur, Freundschaft und Zusammenhalt. Durch Gespräche, Musik und kreative Gruppenarbeit wurde erfahrbar, wie kulturelle Traditionen Identität stiften und gleichzeitig Brücken zwischen Menschen bauen.


Zum Abschluss gestalteten die Jugendlichen gemeinsam ein großes Plakat, auf dem sie neue Erkenntnisse, Gedanken und Eindrücke festhielten. Es wurde zu einem sichtbaren Symbol dafür, wie bereichernd gegenseitiges Lernen sein kann.


Die Rolle der DBJW Brand Ambassadors

Für die Brand Ambassadors der DBJW Estonia sind Projekte wie dieses ein wichtiger Bestandteil gelebter Jugendbeteiligung. Brand Ambassador zu sein bedeutet weit mehr, als eine Organisation zu vertreten. Es bedeutet, Begegnungen zu ermöglichen, junge Menschen zu ermutigen und Räume zu schaffen, in denen jede Stimme gehört wird und jede Erfahrung zählt.


Mari und Liisa brachten ihre Erfahrungen aus der internationalen Jugendarbeit, dem interkulturellen Austausch und dem Sprachenlernen ein – lernten gleichzeitig aber genauso viel von den anderen Teilnehmenden. Das Projekt war kein einseitiges Vermitteln von Wissen, sondern ein echter Austausch auf Augenhöhe. Gerade dieses Lernen voneinander gehört zu den größten Stärken internationaler Jugendarbeit.



Kleine Projekte mit großer Wirkung

Das Projekt dauerte nur zwei Tage – seine Wirkung reicht jedoch weit darüber hinaus. Die Jugendlichen gewannen Selbstvertrauen, knüpften neue Freundschaften und entdeckten, dass ihre eigene kulturelle Identität ein wertvoller Beitrag zum europäischen Miteinander ist.

Vor allem zeigte das Projekt, dass europäische Werte nicht nur in Strategien oder politischen Programmen existieren. Sie werden täglich gelebt – durch Offenheit, Respekt, Neugier, gegenseitiges Zuhören und den ehrlichen Wunsch, voneinander zu lernen.


Für DBJW Estonia sind Projekte wie „Das Johannisfest verbindet“ ein schönes Beispiel dafür, wie auch kleine, von Jugendlichen selbst initiierte Projekte nachhaltige Begegnungen schaffen können. Sie zeigen, dass Jugendbeteiligung nicht von der Größe eines Projekts abhängt, sondern von den Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und aufeinander zuzugehen. Denn jeder junge Mensch ist wichtig. Jede Region Europas hat etwas Wertvolles zu erzählen. Und jede Begegnung trägt dazu bei, Europa ein Stück näher zusammenzubringen.

 
 
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